Autorotation (AR)
Was ist das?
Eine Autorotation ist im Grunde eine Landung ohne Motorkraft. Wie auch in der Großfliegerei sollte eigentlich jeder
Pilot so ein Manöver beherrschen, um im Falle eines Motorausfalls den Heli sicher zu Boden bringen zu können.
Beim Ausfall des Antriebes wird in einem schnellen Sinkflug durch "flaren" bzw anstellen des Helis und
gleichzeitiges negativpitch steuern möglichst viel Rotordrehzahl aufgebaut bzw gehalten. Die Vorwärtsfahrt wird
dabei abgebaut und quasi in Drehzahl umgewandelt. Kurz vor dem Boden wird dann mit der entstandenen Restdrehzahl
des Rotors der Heli abgfangen und sanft aufgesetzt.
Wozu?
Es sollte jedem einleuchten, das unsere Antriebe schonmal ausfallen können. Klar, jedes andere Bauteil kann ja
auch ausfallen. Sollte ein Nickservo ausfallen oder gar die Bordspannung braucht man nicht viel Zeit mit steuern
verlieren und kann sich schonmal mental auf den Einschlag vorbereiten und die Ersatzteilliste schreiben.
Anders beim Motorausfall. Durch die AR kann man das Modell sicher zu Boden bringen und vieleicht schon kurze
Zeit später wieder fliegen.
Eine AR setzt entweder ausreichend Höhe oder genug Fahrt voraus. Am besten beides. In der Großfliegerei gibt es
Diagramme auf denen man ablesen kann, in welchen Bereichen von Flughöhe und Geschwindigkeit sich eine AR
vollbringen läßt. Sowas bringt uns Modellflieger aber nicht wirklich weiter. Man stelle sich vor, man sitzt an
Bord eines Helikopters, ist gezwungen eine AR zu machen befindet sich aber in einem dieser Bereiche, wo eine AR
nicht möglich oder gefährlich ist. Was würdet ihr tun? Natürlich würdet ihr eine AR fliegen! Und so ist es auch
bei unseren kleinen Modellen. Egal wie Aussichtslos die Lage ist, man muss es wenigstens versuchen. Und wenn es
nur ist um Kosten für Ersatzteile zu sparen.
Wir sollten also dieses Manöver unbedingt üben und beherrschen. Geübte Piloten kriegen sogar nach einem
Heckrotorausfall das Modell sicher autorotiert.
fliegerische Vorraussetzungen
Nun ist es leider so, das man als Modellflieger eine gesunde Scheu entwickelt, vorsätzlich den Motor
auszustellen, weil man denkt, das der Heli dann wie ein Stein zu boden fällt. Mir ist es nun erst nach 2 Jahren
gelungen, den inneren Angsthasen zu überwinden. Hätte ich gewußt, wie einfach das ist, hätte ich das schon eher
gemacht.
Für das Training der AR sollte man folgendes beherrschen:
- Schweben in allen Lagen, schließlich weiß man nie, in welcher Lage man die AR durchführen muss
- sicherer Rundflug
- gutes Gefühl für Höhe
Das war auch schon alles. Ihr seht also, es ist nicht zuviel verlangt und im folgenden will ich versuchen euch
schritt für schritt an eine AR ranzuführen. Undzwar ohne Bruch!
technische Vorraussetzungen
Euer Sender sollte eine Extraflugphase für die Autorotation haben, sie unterscheidet sich von der normalen
Schwebeflugphase in folgenden Punkten:
- flache Gaskurve, Motor läuft im Standgas
- Pitchkurve genauso, wie in der Schwebeflugphase, jedoch alles an positivpitch, was das Modell hergibt
- Gyrosysteme auf Normal Mode, also kein Heading Hold, das würde bei einem mitdrehenden Heckrotor zuviel
Energie kosten
- Expo oder Duale Rate abschalten
Als Modell eignet sich Jeder Hubschrauber, je größer der Rotorkreis und je schwerer die Rotorblätter um so
besser. Der AR schalter sollte gut zugänglich am Sender angebracht sein. Die Pitchwerte sollten zwischen -4° und
+12° liegen. Mehr Negativpitch muss nicht sein, da der optimale Gleitwinkel je nach Modell eh etwas höher liegt,
das kriegt man aber erst später raus. Mehr Positivpitch kann nicht schaden, anders als beim normalen Fliegen wird
die Grenze nicht durch die Motorkraft bestimmt, der ist ja eh im Standgas.
Übung 1
Sind die technischen Vorraussetzungen erfüllt, kann man die erste Übung machen, bei der man eigentlich nur eines
tun muss: Den AR schalter umlegen! Undzwar fangt ihr in ca 20cm Höhe an. Euer Heli wird nach dem umschalten
einfach sanft runterplumpsen und vor euch im Standgas tuckern. Wichtig ist, das die AR-pitchkurve wirklich bis
auf den höheren Maximalwert eurer schwebekurve entspricht. Im schlimmsten Falle wird euer Heck etwas wegdrehen.
Mit dieser Übung steigert ihr euch nun in der Höhe. Das ganze kann man gefahrenlos bis zu 2 meter Höhe machen.
Sinn der Übung ist es, ein Gefühl für das Landen ohne Motorkraft zu bekommen und die Angst vor dem bösen
Ar-schalter abzubauen. Je höher ihr kommt werdet ihr merken, das ihr den Heli immer heftiger abfangen müßt,
dabei aber bitte kein Hauruckpitch. Außerdem solltet ihr darauf achten, das der Rotor wieder seine Volle
Drehzahl aufgebaut hat, bevor ihr wieder abhebt.
Übung 2
Als nächstes übt ihr die Anflüge. Ihr fliegt eine große Runde, kommt dann auf euch zu, sodaß ihr an euch
vorbeifliegen würdet. In ausreichender Entfernung beginnt ihr einen Sinkflug in etwa 45°, welcher am besten
5 meter hinter euch endet. Wichtig ist dabei, das ihr in einem Zug landen müßt! Man ist es gewohnt erstmal zu
schweben, sich in ruhe ein Pläzchen auszusuchen und dann in aller ruhe und mit viel hin und her gesteuere zu
landen. DAS geht bei einer AR aber nicht! Ihr müßt also direkt am ende des landeanfluges aufsetzten und das
ganze möglichst rasch. tastet euch langsam ran und legt wert auf eine Punktlandung. Beim Sinkflug solltet ihr
schonmal versuchen zu flaren, das heißt, ihr nehmt die Nase eures Helis hoch und nehmt den Pitchknüppel ganz
zurück. mit den vorher programierten 4° negativpitch wird der Heli nun langsamer werdend auf euch zukommen.
stellt ihr Fest, das er zu früh runterkommt, könnt ihr mit etwas nick und mehr pitch den Gleitwinkel flacher
machen. Dabei bekommt ihr ein wenig Gefühl für den besten Gleitwinkel. Wenn ihr eine Flugphase ohne Gasvorwahl
programiert habt kuppelt der Motor sogar schon aus und ihr könnt sehr gut hören, wie die Drehzahl aufgebaut
wird. Trotzdem habt ihr jederzeit die Möglichkeit, den Heli mit Pitch und Motorleistung abzufangen, es kann
also garnix passieren. Ihr solltet aber recht sanft mit dem Pitchhebel umgehen, ein ruckartiges gasgeben könnte
das Heck herumwirbeln.
LOS GEHTS!
Ihr beherrscht nun das Absetzen ohne Motorkraft und ihr habt die Anflüge bis zum erbrechen geübt und könnt den
Gleitwinkel gut einschätzen. Eure Anflüge enden immer da wo sie hingehören und ihr müßt nicht mehr unbedingt
durchstarten. Dann ist der Zeitpunkt gekommen, eure erste echte AR zu fliegen. Eigentlich schaltet man und leitet
dann den sinkflug ein, siherer ist es aber, den Sinkflug einzuleiten und erst dann den Motor abzustellen, wenn
der Sinkflug begonnen hat und ihr schon einschätzen könnt, wo der Heli landet. Also wenn ihr euch sicher seid.
Meistens weigert sich die Hand immer noch den Schalter umzulegen, also entspannt euch und fliegt noch einen Tank
voll Anflüge. Wenn ihr euch dann doch traut, werdet ihr merken , das das garnicht so wild ist. gleich noch ein
paar mal fliegen und weiterüben. Ihr könnt jetzt immer früher den Schalter umlegen und mehrere Landerichtungen
üben. Vergesst dabei aber nicht auf den Tank zu achten, obwohl . . . . was solls, ihr könnt ja jetzt
autorotieren! Glückwunsch!!
-by Fabi
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